Prof. Dr. Michael H. Weber, Facharzt für Innere Medizin, Nephrologie und Rheumatologie. Geschäftsführer der KälteOase UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG im PROMOTIO

  • Seit wann gibt es diese Art der Kälteanwendung schon?

    Der eigentliche „Erfinder“ war der japanischer Professor T. Yamauchi, der vor über 30 Jahren die Ganzkörperkältetherapie (GKKT) erstmals zur Behandlung von Rheumaerkrankungen einsetzte.

  • Wie hat sich dieses Verfahren mittlerweile in Deutschland verbreitet?

    In Deutschland war die bekannte Rheumaklinik Sendenhorst in der Nähe von Münster Vorreiter in der Anwendung und Entwicklung der GKKT unter Professor Fricke. Mit zunehmendem Interesse und Erfahrung wurden auch andere Erkrankungen und die Anwendung bei Gesunden wissenschaftlich untersucht. Inzwischen verfügen zahlreiche Reha-Kliniken, Kur- und Sportzentren über eine Tiefkältekammer. Im ambulanten Bereich ist die neue KälteOase Göttingen einer der wenigen Anbieter für GKKT im weiten Umkreis.

  • Wie wirkt die GKKT bei entzündlichen Rheumakrankheiten?

    Die GKKT unterstützt die bereits mit langwirksamen Antirheumatika („Basistherapie“) behandelten entzündlichen Rheumakrankheiten hinsichtlich Schmerzlinderung, Abschwellung von Gelenken, Bewegungsverbesserung und besonders im sog. „Rheumaschub“.

  • Für welche Rheumakrankheiten bietet sich eine GKKT an?

    Infrage kommen besonders die Rheumatoide Arthritis, die juvenile Arthritis (JIA) bei Kindern und Jugendlichen, die Spondylitis ankylosans (axiale Spondyloarthritis = Morbus Bechterew) und die Psoriasis-Arthritis, aber auch Gelenkschwellungen beim Reiter-Syndrom, bei infektreaktiver Arthritis oder bei aktivierter Arthrose mit entzündlichen Schwellungen.

  • Gibt es auch Erfahrungen bei anderen Erkrankungen?

    Ja, es konnten auch Erfolge bei chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen (z.B. Psoriasis), Neurodermitis, chronischen Schmerzkrankheiten (z.B. Fibromyalgie), chronischen Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und -verspannungen und sowie nach Gelenkeingriffen (z.B. Hüft- und Knie-TEP) erzielt werden. Weitere Anwendungen werden derzeit intensiv studiert.

  • Es gibt doch sicherlich auch Situationen, bei denen vor einer Tiefkälteanwendung gewarnt werden muß?

    Ja, wir fragen jeden Interessierten sehr genau nach bestimmten körperlichen Veränderungen und vermerken diese auch. Dazu gehören Durchblutungsstörungen, darunter die „Weißfingerkrankheit“ (= Raynaud-Syndrom), vorbekannte allergische Kältereaktionen, Erfrierungen, schwere Herz- und Atemwegserkrankungen, aber auch Platzangst und mögliche Schwangerschaft.

  • Und was kann die Ganzkörper-Tiefkälte bei Gesunden erreichen?

    Durch die bessere Muskeldurchblutung und Energieoptimierung profitieren besonders Sportler und Fitness-Begeisterte vom regelmäßigen Kältekammerbesuch. Viele große Sportvereine, z.B. Bayern München, aber auch das Olympische und Paraolympische Leistungszentrum Kienbaum bereiten ihre Leistungssportler mit einer GKKT gezielt auf ihre Wettbewerbe vor. Interessant ist, dass die Tiefkälte international auch bei Wellness-Programmen und zur Gewichtsreduktion eingesetzt wird.

  • Reicht denn dafür ein einmaliger Besuch aus?

    Sicherlich nicht; eine wirkliche Leistungsverbesserung lässt sich nur durch die regelmäßige Kombination aus GKKT und anschließendem Training erreichen. Die KälteOase und PROMOTIO arbeiten diesbezüglich bereits sehr eng zusammen. Zum Thema Sport, Fitness und Leistungsverbesserung gibt es mittlerweile sehr gute sportmedizinische Studien.

  • Und wie ist es bei den Rheuma- und Schmerzpatienten?

    Bei Patienten muss man zwischen Akut- und Langzeitanwendungen unterscheiden:

    Im akuten Rheumaschub werden 1 bis 3 Anwendungen pro Tag über 2 bis drei Wochen zur Symptomverbesserung ausreichen, manchmal vielleicht sogar weniger.

    Der chronische Patient profitiert danach von einer regelmäßigen Anwendung zwischen 1 und 3 mal pro Woche, um den Ersterfolg zu stabilisieren und Schmerz-Rheumamittel wie Ibuprofen oder Diclofenac einzusparen zu können.

  • Tiefkälte kann man ja auf unterschiedliche Art erzeugen und anwenden. Gibt es diesbezüglich Unterschiede?

    Ja, durchaus. Man kann, wie wir, das „Kühlschrankprinzip“ mit Hilfe eines elektrischen Kompressors einsetzen oder das Prinzip der „Thermoskanne“ mit flüssigem Stickstoff. Dieses System kann den Körper nur bis zum Kopf abkühlen (unter Stickstoff kann man nicht atmen, man würde ersticken) und erzeugt somit nur eine Teilkörperabkühlung. Stickstoff-Kälteanwendung ist recht unkompliziert und wird gern im Physio-, Wellness- und Beauty-Bereich eingesetzt.

    Die Ganzkörper-Tiefkälte, die wir benutzen, umhüllt den ganzen Körper und führt zu einer gleichmäßigen, anhaltenden Abkühlung unter gezielter Bewegung. Nur mit diesem System gibt es valide Studien. Daher sind wir auch von ärztlicher Seite eher an dieser Anwendungsform interessiert. Die Unterschiede zwischen beiden Kälte-Anwendungen konnten mit Wärmebildkameras sehr eindrucksvoll dargestellt werden.

  • Schon der Gedanke an diese Kälte löst bei mir Frierschauer aus! Darf ich denn überhaupt da rein und was ziehe ich aus bzw. an?

    Sie dürfen sich diese Art der Tiefkälte nicht wie unsere unangenehm feuchte Winterkälte vorstellen, sondern eher wie einen kurzen Ausflug in die zentrale Antarktis. Dort finden Sie zwar nur Durchschnittstemperaturen von -55 Grad C (Temperaturrekord -93,2 Grad C), identisch mit unserer „künstlichen“ Kälte ist aber das völlige Fehlen von Feuchtigkeit. Bei uns wird diese Trockenheit durch ein spezielles Entfeuchtungsgerät erzeugt. Die extrem trockene Tiefkälte von -110 Grad C in der Kammer wird daher nicht als unangenehm empfunden, sondern eher als belebend und energiespendend.

    Und selbstverständlich müssen Sie die empfindlichsten Körpererker wie Ohren, Nase, Hände und Füße gut schützen: Sie tragen einen trockenen Badeanzug bzw. als Mann eine kurze Sporthose, ziehen ein Stirnband über, das die Ohren bedeckt, setzen einen Mund-Nasenschutz auf und ziehen spezielle Handschuhe (gern auch 2 Paar übereinander), Socken und Schuhe an. So gerüstet macht Ihnen der kurze Spaziergang durch unser 3-Kammersystem (-10, -60 und -110 Grad C) sicherlich keine Angst, sondern vielmehr großen Spaß!

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